
Die 4. Herren: Aus dem Spielbetrieb, aber nicht aus dem Leben

Die 4. Herren des TuS GW Himmelsthür nimmt zwar nicht mehr am offiziellen Spielbetrieb teil, doch wer glaubt, damit sei das Mannschaftsleben beendet, der irrt gewaltig. Der Grund für das Ende der aktiven Handballzeit ist schnell erklärt: Die meisten Spieler sind mittlerweile zwischen 60 und 84 Jahre jung. Angeführt wird die Truppe von ihrem ältesten und zugleich erfahrensten Mannschaftskameraden Franz Chudziak, der stolze 84 Jahre zählt.
Den Handball hat man zwar weitgehend an den Nagel gehängt, die Kameradschaft jedoch nicht. Im Gegenteil: Der Terminkalender der 4. Herren ist heute oft besser gefüllt als zu aktiven Spielzeiten. Während andere Mannschaften über Trainingspläne, Tabellenstände und Taktikbesprechungen diskutieren, beschäftigt sich die 4. Herren mit Geburtstagen, Jubiläen, Fahrradtouren und kulinarischen Höhepunkten.
So lud erst kürzlich Ebi Bodenstein seine Mannschaftskameraden zur Feier seines 80. Geburtstages ein. Bei hervorragender Stimmung wurden zahlreiche Geschichten aus mehreren Jahrzehnten Handball, Vereinsleben und gemeinsamen Unternehmungen erzählt. Natürlich durfte dabei das eine oder andere Getränk nicht fehlen. Kurz zuvor hatte bereits Wolfgang Kausche Geburtstag gefeiert. Es scheint fast so, als würden Geburtstage mittlerweile häufiger stattfinden als früher die Punktspiele.
Sportlich geht es dennoch zu. In den vergangenen zwei Monaten traf sich die Mannschaft regelmäßig jeden Mittwoch zum gemeinsamen Fahrradfahren. Dabei stand weniger die Jagd nach Bestzeiten als vielmehr das gemütliche Beisammensein im Vordergrund. Die Touren endeten häufig im Biergarten oder bei Mannschaftskamerad Thomas im Garten. Dort wurde fachmännisch über Gott und die Welt gesprochen – und gelegentlich sogar über Handball.
Ein besonderer Höhepunkt war in diesem Jahr der 60. Hochzeitstag von Franz und Marianne Chudziak. Aus diesem Anlass führte eine Fahrradtour direkt zu Franz in den Garten. Dort wurden die Radfahrer mit reichlich Getränken und kulinarischen Köstlichkeiten empfangen. Alle waren sich einig: Nach 60 Jahren Ehe verstehen Franz und Marianne es immer noch hervorragend, Gäste zu bewirten. Die Feier dauerte deutlich länger als die eigentliche Fahrradtour.
Auch die kommenden Monate sind bereits bestens verplant. Am 18. September steht der Besuch der Hildesheimer Braumanufaktur auf dem Programm, wo die Teilnehmer die Kunst des Bierbrauens genauer kennenlernen werden – selbstverständlich ausschließlich aus wissenschaftlichem Interesse. Für den 16. Dezember ist das traditionelle Haxenessen fest eingeplant. Darüber hinaus wird noch intensiv nach einem passenden Termin für das beliebte Schlachteessen gesucht, denn ein Jahr ohne Schlachteessen wäre für die 4. Herren kaum vorstellbar.
Wer glaubt, die Mannschaft plane nur kurzfristig, kennt die Organisationstalente der Truppe nicht. Bereits jetzt ist die Abschlussfahrt vom 28. bis 30. Mai 2027 nach Hann. Münden fest gebucht. Die Planung liegt in den bewährten Händen von Reiseleiter Dieter Groß, dessen Organisationstalent längst legendär ist. Mannschaftsintern geht daher niemand davon aus, dass die Reise ausschließlich kulturelle Höhepunkte bieten wird. Vielmehr wird vermutet, dass Dieter bereits einige Überraschungen vorbereitet hat – selbstverständlich verbunden mit ausreichend Gelegenheiten zum Essen und Trinken. Die Vorfreude auf die Fahrt ist jedenfalls schon heute riesig.
Ganz ohne Handball geht es allerdings nicht. Deshalb wird sich die Mannschaft regelmäßig auch in der Sporthalle treffen, um die 1. Herren des TuS GW Himmelsthür in ihrer zweiten Regionalliga-Saison lautstark zu unterstützen. Von der Tribüne aus wird jedes Spiel kritisch, fachkundig und manchmal auch ungefragt analysiert.
Schließlich verfügt die 4. Herren über geballte Erfahrung aus mehreren hundert Handballjahren. Daher hat man für Spieler und Trainer der 1. Herren selbstverständlich immer noch den einen oder anderen gut gemeinten Ratschlag parat. Und wer genau hinschaut, wird feststellen, dass die 1. Herren von der besonderen „Trainingsarbeit“ der 4. Herren durchaus noch etwas lernen kann. Schließlich hat die ältere Generation die perfekte Balance zwischen Bewegung, Regeneration, Kameradschaft und Flüssigkeitsaufnahme über Jahrzehnte hinweg perfektioniert. Die optimale Planung von Getränkepausen, die taktisch kluge Auswahl von Biergärten und die professionelle Nachbereitung jeder sportlichen Aktivität sind Kompetenzen, die man sich nicht in wenigen Regionalliga-Spielzeiten aneignet. In diesen Disziplinen gilt die 4. Herren vereinsintern seit Jahren als Spitzenmannschaft.
So beweist die 4. Herren des TuS GW Himmelsthür eindrucksvoll, dass eine Mannschaft weit mehr ist als Tore, Punkte und Tabellenplätze. Der aktive Handball mag vorbei sein, die Kameradschaft lebt jedoch stärker denn je. Geburtstage, Jubiläen, Fahrradtouren, Brauereibesuche, Haxenessen, das geplante Schlachteessen, Hallenbesuche und gemeinsame Reisen sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt.
Oder wie man bei der 4. Herren wohl sagen würde:
„Früher haben wir Gegner überlaufen – heute fahren wir sie mit dem Fahrrad ab. Handball spielen wir zwar nicht mehr aktiv, aber feiern können wir immer noch wie die Weltmeister. Und was die dritte Halbzeit betrifft, sind wir sowieso seit Jahren ungeschlagen!“




